Jeder von uns kennt den Kuckuck, der seine Eier in fremde Nester legt und die dortigen Originaleier entfernt – der Kuckuck macht dies wahrscheinlich aus Faulheit heraus sich selbst um die lärmende Brut zu kümmern – der Mythos des Wechselbalgs funktioniert im Prinzip in der gleichen Weise, nur dass hier der Vogel durch Dämonen ersetzt wird und diese Tat keineswegs durch Faulheit inspiriert wird.
Der Mythos, der übrigens über unterschiedlichste Kulturen weit verstreut ist, hat zur Grundlage, dass bestimmte Dämonen ihren Nachwuchs menschlichen Eltern unterjubeln und deren Kind dafür mit sich nehmen. In manchen Mythen wird das Menschenkind dann von den dämonischen Eltern aufgezogen um später wieder bei Menschen eingeschleusst zu werden um diese charakterlich zu verderben, manche Dämonen quälen diese Kinder auch oder fressen sie gar.
Das dämonische Baby hingegen wird schon bald zur Plage, da es zum einen einen schier unstillbaren Appetit entwickelt und zum zweiten eine übermenschliche Kraft besitzen mit denen sie ihre Eltern schon bald lehren ihren Wünschen zu Diensten zu sein.
Im Aussehen erkennt man Wechselbälger entweder an einer ungewöhnlichen Dicke des Kopfes und der Extremitäten oder sie haben vollends ein dämonische Aussehen, zum Teil auch mit Hörnern und Hufen bestückt.
Einmal ‚gesegnet’ mit so einem Balg, lässt sich dieser nur schwer wieder loswerden und nicht selten kommt es dazu, dass eher die Eltern sterben, als das sie das Kind losgeworden sind.
Interessanterweise gibt es hierzu einen Mythos, der sich über viele voneinander unabhängige Kulturen ausgebreitet haben, nämlich in einer Eierschale Wasser am Bett des Balgs zu kochen
Der kleine Dämon ist von diesem Vorgang so fasziniert, dass er den Eltern sein Alter preis gibt – dies einmal erwähnt zwingt den ‚kleinen Racker’ dann seine Zieheltern zu verlassen.
Um sich vor dieser Art der Zwangsadoption in Verbindung mit Menschenraub zu schützen gibt es ja nach Kultur unterschiedliche Methoden – das reicht vom Ziehen eines Schutzkreises um die Wiege, bis hin zu etwas absurden Methoden wie die Nachgeburt unter dem Bett des Kindes liegen zu lassen oder einen Schlüssel in das Kindbett zu legen, auch das Anzünden dreier Kerzen oder das Aufstellen einer Vogelscheuche im Kinderzimmer hält Dämonen davon ab die Kinder auszutauschen.
Bevor wir uns jetzt Dämonen widmen, die es auf dem Gebiet dieses Kindsraub zu wahren Meister gebracht haben, wollen wir uns die Frage stellen – was hinter diesen Mythen an realen Erlebnissen oder Gründen stehen könnte.
Einer der zentralen Aspekte für die Entwicklung solcher Mythen, ist sicher das Problem eines missgebildeten Neugeborenen – die Eltern, die durch solche Kinder gerade in der Frühzeit der menschlichen Kultur in einen Erklärungsnotstand gegenüber Verwandte und Freunde gekommen waren, konnten mit der Verschiebung der Verantwortung auf eine fremde dämonische Macht eventuell einer Brandmarkung bzw. einer Verstossung entgehen.
Doch auch politische Ränkespiele konnten zum teil dafür verantwortlich sein; denn so ließ sich z.B. ein Thronfolger aus dem Weg räumen; denn nicht selten wurden diese angeblich vertauschten Kinder ums Leben gebracht.
Ein ebenso wichtiger Aspekt, der auch heutzutage wieder eine gewisse Aktualität in der Presse genießt ist auch die Tatsache, dass manche Väter gar nicht begeistert waren, dass Liebesgespielinnen sie mit Nachwuchs konfrontierten und diesen kurzerhand als dämonisch oder vom Teufel gebracht abhandelten. Im Mittelalter führte dies nicht selten dazu, dass die unglücklichen Mütter gleich als Hexen verbrannten wurden.
Wer waren nun diese Dämonen, die ihre Kinder mit unseren vertauschten?
Da gibt es z.B. den Schab – ein Dämon des österreichischen Volksglaubens, der sich am Rande von Dörfern herumtrieb um – wenn eine Geburt vollzogen war – sein Kind mit dem Neugeborenen auszutauschen – der Schab brachte aber als Entschädigungsleitung desöfteren auch Reichtümer mit, um so die Eltern für diesen frechen Raub zu entschädigen
Aus dem schlesischen Volksglauben ist das Fenixmännlein bekannt, welches in sehr geschickter Weise den Austausch der Babys sogar unter der Anwesenheit der Eltern im selben Raum vollziehen konnte.
Auch die Rüttelweiber, ihres Zeichens Sturmdämoninnen des deutschen Volksmythos vollzogen den Austausch sehr clever, indem sie die Menschen durch Donnergrollen und Regen ablenkten.
Noch frecher trieben es die Enerbanske auf der Insel Helgoland – die nisteten sich gleich längerfristig im Hause ein und waren so in der Lage die Aufzucht ihrer Brut gleich selbst mit zu beobachten. Allerdings waren sie dafür auch des Nächtens dienstbare Hausgeister, die nicht selten die Wohnung aufräumten oder Reparaturarbeiten durchführten.
Ein bei weitem gefährlicherer Vertreter dieser Dämonengattung ist der Kodakan, ein taubstummer Dämon aus den Sagen der Hindukusch-Bevölkerung, der Kinder beim Haus auflauert sie raubt und frisst – seine eigene Brut lässt er ab und an dafür zurück – den Kodakan kann man nicht bannen, da er aufgrund seiner taubheit nicht empfänglich für diverse Bannsprüche ist.
Nicht minder gefährlich ist die slawische Poludniza, die in weißer Gestalt um die Mittagszeit herum erscheint und jeden der sie erblick sofort in den Wahnsinn treibt – auch sie tauscht Kinder aus und reißt den gestohlenen Säuglingen den Kopf ab.
Der Mythos des Wechselbalgs
Moderator: Tyger
- Azazel
- Site Admin

- Beiträge: 11545
- Registriert: 20. Mär 2005 15:54
- Religionszugehörigkeit: keine
- Wohnort: Der Dummheit der Menschheit sind keine Grenzen gesetzt
- Kontaktdaten:
-
tlahuizcalpantecutli
alles was fremd erscheint, wird von der grauen masse gerne abgeschoben
Da sieht mans mal wieder, was Aberglauben eigentlich ist: primitive Rechtfertigung grausamster Vergehen gegen die fremdgewordene Natur, das fremdgewordene innere. Denn indem man seine Kinder verleugnet, verleugnet man sich selbst! Wieder mal Projektion (Verschiebung der Aspekte der eigenen persönlichkeit, die man nicht mag, auf andere) , und zwar auch noch eine sehr bequeme: Denn die eigenen Schwächen findet man schnell beim eigenen Nachwuchs, der einem obendrein noch hilflos ausgeliefert ist!
Die eigenen Kinder sind leichte Opfer, das sieht man in letzter Zeit ja auch wieder
Da sieht mans mal wieder, was Aberglauben eigentlich ist: primitive Rechtfertigung grausamster Vergehen gegen die fremdgewordene Natur, das fremdgewordene innere. Denn indem man seine Kinder verleugnet, verleugnet man sich selbst! Wieder mal Projektion (Verschiebung der Aspekte der eigenen persönlichkeit, die man nicht mag, auf andere) , und zwar auch noch eine sehr bequeme: Denn die eigenen Schwächen findet man schnell beim eigenen Nachwuchs, der einem obendrein noch hilflos ausgeliefert ist!
Die eigenen Kinder sind leichte Opfer, das sieht man in letzter Zeit ja auch wieder
-
Lestat de Lioncour
- Beiträge: 1650
- Registriert: 1. Aug 2005 15:10
Vor allem, wenn man bedenkt, daß es in früheren Zeiten als völlig normal und legitim angesehen wurde, eine Selektion der eigenen Geburten durchzuführen.
Kinder, die gebrechlich oder makelhaft erschienen, wurden einen Berg hinuntergeschmissen, um sich Ihrer zu entledigen. Jede Dorfgemeinschaft hatte so einen Berg, der als quasi menschlicher Müllplatz diente.
[url=undefined://www.daemonenforum.de/ftopic552.html]siehe[/url]
Kinder, die gebrechlich oder makelhaft erschienen, wurden einen Berg hinuntergeschmissen, um sich Ihrer zu entledigen. Jede Dorfgemeinschaft hatte so einen Berg, der als quasi menschlicher Müllplatz diente.
[url=undefined://www.daemonenforum.de/ftopic552.html]siehe[/url]
Zuletzt geändert von Lestat de Lioncour am 22. Mär 2006 00:24, insgesamt 3-mal geändert.
- Vamp
- Co-Admin

- Beiträge: 3788
- Registriert: 21. Mär 2005 13:34
- Wohnort: Die Lösung ist Vanillefish...

