Chaosmagische Bannungen

Magie, Dämonologie etc. für Novizen und angehende Praktizierende
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Shaddai
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Chaosmagische Bannungen

Beitrag von Shaddai »

Chaosmagische Bannungen haben den Vorteil, dass sie beim Anwender kein Glaubenssystem voraussetzen, wie dies zum Beispiel beim bannenden Pentagrammritual der Fall ist. Dort werden kabbalistische Namen oder Engel angerufen, mit denen der Praktiker teilweise gar nichts am Hut hat. Zwar werden Chaosmagier (zum Beispiel im IOT oder der AutonomatriX) darauf hingewiesen, ihre individuelle Bannung, bzw. Schutzkreis zu entwickeln, der auf die Person abgestimmt ist, jedoch gibt es auch eine Reihe von standardisierten Techniken, was z.B. die Durchführung von Gruppenarbeiten um einiges erleichtert. In diesem Fall werden diese meist mit dem Kommando „Einatmen…“ angezeigt.
Die bekanntesten hiervon möchte ich euch hier kurz vorstellen.

Kurz vorweg zum Thema Intonation:
In vielen Systemen ist von Intonation die Rede. Intonation kann als ein innerliches Vibrieren verstanden werden. In alten Grimoires ist manchmal die Rede davon, dass man damit die Wände des Tempels zum wanken bringen soll. Wichtig ist dabei den Ton oder das Wort sowohl zu rufen, als auch verinnerlichen.


IAO-Formel

Stelle dich mit Blickrichtung zum Alter oder Richtung des „magischen“ Ostens auf (ob dies tatsächlich der Himmelsrichtung Osten entspricht ist Nebensache, da die wenigsten Räumlichkeiten sich geografisch ausrichten).
Atme mit einem tiefen Atemzug ein und strecke dabei die Arme nach oben. Intoniere in einer hohen Tonart den Vokallaut „Iiiiiii…“. Stelle dir währenddessen vor, wie ein weißer Lichtstrahl gleichzeitig von oben nach unten und von unten nach oben durch dich hindurch geht, ohne Start- und Zielpunkt in die Unendlichkeit. Hierbei werde dir bewusst, dass sich der Makro- und der Mikrokosmos miteinander verbinden.

Atme erneut tief ein und strecke die Arme jeweils zur Seite. Halte die Visualisierung des weißen Strahls dabei aber aufrecht.
Intoniere nun den Vokallaut „Aaaaaa…“ in einer mittleren Tonlage und visualisiere, wie ein roter Lichtstrahl gleichzeitig von links nach rechts und von rechts nach links durch deine Arme und dich strömt, ohne Start- und Zielpunkt in die Unendlichkeit. Werde dir hierbei bewusst, dass du sowohl die konstruktiven, als auch die destruktiven Elemente miteinander verbindest (oder positiv und negativ, kabbalistisch die Säulen der Gnade und der Strenge, Yin und Yang, etc.).

Atme erneut tief ein und führ die Hände an deinem Körper vor deinem Bauch zusammen, sodass sie ein „O“ bilden, wobei du die alten Visualisierungen aufrechterhältst. Vibriere nun den Vokallaut „Ooooo…“ in einer tiefen Tonlage und visualisiere, wie dich eine blaue Kugel vollständig umgibt. Werde dir bewusst darüber, dass dich diese blaue Kugel vor allem Schützt.


OMNIL-Formel

Der Name der OMNIL-Formel setzt sich aus den lateinischen Begriffen für „alles“ (omnis) und „nichts“ (nihil) zusammen.
Visualisiere oder ziehe einen waagerechten Kreis (auf der Höhe deiner Körpermitte) um dich herum aus einem weißen Strahl. Spreche dabei „Null der Zeit“.
Auf gleiche Weise ziehe einen weißen Kreis um dich, wobei du über deinem Kopf beginnst, rechts seitlich nach unten, unter deinen Füßen durch und an der linken Seite wieder empor und spreche „Null des Raumes“.
Beginne wieder über dir und ziehe einen weißen Kreis von oben hinter deinen Rücken entlang nach unten und von den Füßen aus nach vorne gehend wieder nach oben. Spreche dabei „Null der Ereignisse“.
Nun konzentriere dich noch einmal auf die drei Kreise, überkreuze die Arme vor der Brust und spreche/intoniere „Omnis Ex Nihil“ (Alles aus Nichts).


Gnostische Pentagrammritual

Im Gegensatz zum bannenden Pentagrammritual, welches mit vielen hebräischen Gottesnamen und Engeln arbeitet, beschränkt sich das gnostische Pentagrammritual ausschließlich auf Vokallaute und bedient sich in der Durchführung der Anordnung der Chakren.
Vorweg weise ich daraufhin, dass die Vokallaute absteigend (von „I“ nach „U“) erst hoch und dann immer tiefer in der Tonlage intoniert werden, anschließend natürlich genau umgekehrt. Verwende hierbei jeweils einen Atemzug. Beim anschließenden Ziehen der Pentagramme jedoch in einer meist mittleren Tonlage alle während eines Atemzuges.

Schritt 1:
Nehme einen tiefen Atemzug und visualisiere wie von oben ein weißer Lichtstrahl in deinen Kopf strahlt und sich in diesem Bereich sammelt. Intoniere mit den Vokallaut „Iiiiii…“
Visualisiere wie der Lichtstrahl weiter nach unten bis in deinen Halsbereich fließt und intoniere „Eeeeee…“
Visualisiere wie der Lichtstrahl bis in deinen Herzbereich fließt und intoniere „Aaaaaa…“
Visualisiere wie der Lichtstrahl bis in deinen Solarplexusbereich fließt und intoniere „Oooooo…“
Visualisiere wie der Lichtstrahl bis in deinen Rumpfbereich (Manipura Chakra) fließt und intoniere „Uuuuuu…“ und lasse den Lichtstrahl nach unten durch dich hindurchbrechen.
Halte die Visualisierung aufrecht und visualisiere den weißen Lichtstrahl nun wie er von unten wieder in dich hinein zum Rumpfbereich fließt und wiederhole die vorangegangenen Schritte rückwärts, bis zu wieder „Iiiiii…“ intoniert hast. An den fünf Punkten, wo sich der Lichtstrahl gesammelt hat, strahlt es nach diesem zweiten Durchlauf noch stärker.

Schritt 2:
Zeichne nun vor dir ein aufrechtes Pentagramm aus weißem Licht, beginnen an der Spitze nach links unten. Während du eine Linie ziehst intoniere die Vokallaute in einem Atemzug beginnend mit „I“, bis du wieder an der Spitze angelangt bist.
Steche nun mit der Hand (oder Stab, Schwert, etc.) in das Pentagramm und lasse es „aufflammen“. Ziehe ohne abzusetzen von der Mitte des Pentagramms aus einen Viertelkreis nach links und wiederhole den vorherigen Teil so lange, bis du von vier Pentagrammen umgeben bist, die alle mit einer Linie verbunden sind.

Wiederhole abschließend Schritt 1.


Gnostische Donnerkeil (Gnostic Thunderbolt)

Die vorgegebenen Tonhöhen für das gnostische Pentagrammritual müssen/sollten hierbei nicht beachtet werden. Mit „Ziehen“ ist natürlich die Visualisierung gemeint.

Schritt 1:
Ziehe eine gelbe Linie von deinem dritten Auge zu deiner linken Schulter und intoniere „Iiiiii…“
Ziehe eine hellblaue Linie von deiner linken zu deiner rechten Schulter und intoniere „Eeeee…“
Ziehe von dort eine rote Linie zu deiner linken Brust und intoniere „Aaaaa…“
Ziehe von dort eine schwarze Linie zu deiner Leber und intoniere „Ooooo…“
Ziehe von dort aus eine dunkelgrüne Linie zu deinen Genitalien und intoniere „Uuuuu…“

Hierbei wird NICHT wie im gnostischen Pentagrammritual jeder Vokallaut mit einem Atemzug intoniert, sondern für alle fünf wird ein einziger langer Atemzug verwendet.
Führe nun wie beim gnostischen Pentagrammritual die Schritte einmal rückwärts aus.

Schritt 2:
Zeichne diesen Blitz nun vor dir in die Luft, während du die Vokallaute dementsprechend in einem Atemzug intonierst und wende dich anschließend jeweils um 90° nach links, bis du wieder in der Ausgangsposition stehst.

Abschließend wiederhole Schritt 1.


„I Am!“

Stehe mit geschlossenen Augen und visualisiere ein Licht oder eine Flamme in deinem Inneren, welche beginnt dich auszufüllen. Flüstere „I am!“ (eng. „Ich bin!“).
Visualisiere wie das Licht oder die Flamme nach außen dringt und dich um dich herum oder vielleicht gar den ganzen Raum ausfüllt und spreche schon energischer „I am!“
Visualisiere wie das Licht oder die Flamme sich über den Raum hinaus ausbreitet (bei guten Visualisierungskenntnissen bis ins ganze Universum) und rufe laut „I am!“
(diese Bannung entstammt dem englischen Buch „Hands On Chaos Magick“ von Andrieh Vitimus und kann natürlich auch mit dem deutschen „Ich bin!“ angewendet werden)
Ambra

Re: Chaosmagische Bannungen

Beitrag von Ambra »

Keine schlechten Ausführungen und Techniken Shaddai.

Zur IAO-Formel gibt es wenig zu sagen.

Die Omnil-Formel liese sich noch durch zusätzliche Visualisierungen verstärken (wie etwa das stehenbleiben der zeit bei der null der Zeit o. ä.), funktioniert jedenfalls bei mir ganz gut.
Zusätzlich würde ICH (das alles hier sind ja nur Vorschläge von mir), das ende noch etwas anders gestalten. Ich habe da immer ein Kokon vor augen wenn ich mir das durchlese. Vielleicht noch ein ausbreiten der verschränkten Arme und verschwinden der Kreise bei der Intonation?

Zum Pentagrammritual kann ich noch nichts sagen da ich es noch nicht getestet habe, maybe the next days.

Das es beim Gnostischen Donnerkeil es "nur" darum geht bestimmte energiezentren anzusprechen hast du mir ja gerade erklärt.

Das "I Am" gefällt mir sehr gut, mit ein bischen Übung wird dabei sicher viel energie freigesetzt, auch das werde ich mal testen.
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Umbra
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Re: Chaosmagische Bannungen

Beitrag von Umbra »

Ich möchte noch anmerken, dass mit Tempel der eigene Körper gemeint ist. Dort findet die erste oder zentrale Transmutation statt.
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evoi
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Re: Chaosmagische Bannungen

Beitrag von evoi »

Shaddai hat geschrieben:Chaosmagische Bannungen haben den Vorteil, dass sie beim Anwender kein Glaubenssystem voraussetzen, wie dies zum Beispiel beim bannenden Pentagrammritual der Fall ist. Dort werden kabbalistische Namen oder Engel angerufen, mit denen der Praktiker teilweise gar nichts am Hut hat.
Das sehe ich etwas anders.. ein Chaosmagier bedient sich aller möglichen "Glaubensysteme" . glaubt prinzipiell nicht daran, ist aber fähig während eines Rituals dies zu "spielen" und während des Rituals zu "glauben".

Als Chaosmagier stehen die Erzengel für mich als Archetypen für das, was Generationen von Magiern in sie projeziert haben. Darin besteht "die Macht" der Erzengel. Ebenso wie die Macht des Pentagrammes dadurch zu Stande kam, dass unzählige Menschen meinen es würde schützen. Die kollektiven Gedanken dieser Heerscharen an Individuen statten das Symbol mit tatäschlicher Macht aus.

Ein Chaosmagier ist nicht zu verwechseln mit einen "Freistilmagier".. der erstere bedient sich Glaubenssystemen, die durch kollektives Bewusstsein zu Macht gekommen sind, der Freistilmagier benutzt keine Archetypen, wodurch er freier agieren kann, aber auch nicht an die Erfolge jener heranreichen kann, die die Macht der Archetypen zu nutzen wissen.

lg

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Re: Chaosmagische Bannungen

Beitrag von Lord_Diabolus »

Ein Chaosmagier ist nicht zu verwechseln mit einen "Freistilmagier".. der erstere bedient sich Glaubenssystemen, die durch kollektives Bewusstsein zu Macht gekommen sind, der Freistilmagier benutzt keine Archetypen, wodurch er freier agieren kann, aber auch nicht an die Erfolge jener heranreichen kann, die die Macht der Archetypen zu nutzen wissen.
Meiner Meinung nach ist die Verwendung eines Archetypes genau so wirksam wie die Verwendung eines eigenen Systems, welches ohne diese Archetypen auskommt und dennoch eine extreme energetische Bindung mit sich bringt.
Ob ich nun als Symbol der Liebe Amor oder eine eigene Gottheit wähle, spielt keine Rolle - wichtig sind lediglich die Energien, die dabei mobilisiert und geleitet werden. Pauschalisierungen sind in diesem Falle etwas ungünstig.

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Re: Chaosmagische Bannungen

Beitrag von evoi »

Lord_Diabolus hat geschrieben:
Ein Chaosmagier ist nicht zu verwechseln mit einen "Freistilmagier".. der erstere bedient sich Glaubenssystemen, die durch kollektives Bewusstsein zu Macht gekommen sind, der Freistilmagier benutzt keine Archetypen, wodurch er freier agieren kann, aber auch nicht an die Erfolge jener heranreichen kann, die die Macht der Archetypen zu nutzen wissen.
Meiner Meinung nach ist die Verwendung eines Archetypes genau so wirksam wie die Verwendung eines eigenen Systems, welches ohne diese Archetypen auskommt und dennoch eine extreme energetische Bindung mit sich bringt.
Ob ich nun als Symbol der Liebe Amor oder eine eigene Gottheit wähle, spielt keine Rolle - wichtig sind lediglich die Energien, die dabei mobilisiert und geleitet werden. Pauschalisierungen sind in diesem Falle etwas ungünstig.

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Korrekt .. da stimme ich überein.. selbstverständlich kann ein Chaosmagier auch ein "Freistilsystem" verwenden. Das was den Choasmagier zum Chaosmagier macht ist das verwenden irgendeines (oder verschiedener) Systeme. Jedoch kann ein Chaosmagier durchaus Erzengel verwenden, ohne an das hermetische System zu glauben. Das was ihn zum Chaosmagier macht ist dann, dass er während des Rituals so tut (davon überzeugt ist), dass es funktioniert. Kaum ist er fertig glaubt er nicht mehr daran.

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Re: Chaosmagische Bannungen

Beitrag von Clown »

evoi hat geschrieben: Jedoch kann ein Chaosmagier durchaus Erzengel verwenden, ohne an das hermetische System zu glauben. Das was ihn zum Chaosmagier macht ist dann, dass er während des Rituals so tut (davon überzeugt ist), dass es funktioniert. Kaum ist er fertig glaubt er nicht mehr daran.

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Das klingt für mich wie das Anheften eines imaginären Geschwülstes an die Eier nur um sich nachher zu freuen dass es gar nicht da ist :D :peace:
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Re: Chaosmagische Bannungen

Beitrag von evoi »

Herzlichen Dank für den - wie immer - höchst kompetenten Kommentar :har:
Es gibt Tage da bin ich nicht in der Stimmung angehimmelt zu werden.
Lord_Diabolus

Re: Chaosmagische Bannungen

Beitrag von Lord_Diabolus »

Korrekt .. da stimme ich überein.. selbstverständlich kann ein Chaosmagier auch ein "Freistilsystem" verwenden. Das was den Choasmagier zum Chaosmagier macht ist das verwenden irgendeines (oder verschiedener) Systeme. Jedoch kann ein Chaosmagier durchaus Erzengel verwenden, ohne an das hermetische System zu glauben. Das was ihn zum Chaosmagier macht ist dann, dass er während des Rituals so tut (davon überzeugt ist), dass es funktioniert. Kaum ist er fertig glaubt er nicht mehr daran.
Ist das bei einem "Freistilmagier" nicht das gleiche?

Wenn es funktioniert, bin ich von der Funktionalität eines bestimmten Elementes natürlich überzeugt, sonst würde ich es nicht verwenden - der einzige Unterschied besteht meiner Meinung in der Erklärung, WARUM das Element funktioniert hat.
Während ein gläubiger Magier beispielsweise seinen Erfolg mit religiösen Aussagen begründet, findet der Chaosmagier eine eher psychologisch-physikalische Erklärung für seinen Erfolg - trotzdem funktioniert es bei beiden.

Meiner Meinung nach ist es keine direkte "Lüge", der man sich da aussetzt; immerhin stellen die Elemente des eigenen Magiesystems ihre Funktionalität unter Beweis. Nur nennen wir das dann (wenn man präzise wird) nicht "Kraft des Glaubens" sondern (auch wegen der Fähigkeit zur Paradigmenflexibilität und der überwiegend atheistischen Einstellung der Bewegung der Chaosmagier [sollte es anders sein, möge man mich bitte verbessern]) "Kraft des eigenen Geistes in Kombination mit makrokosmischen Energien" - ersteres ist kürzer, zweiteres klingt intelligenter. :lol:


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Re: Chaosmagische Bannungen

Beitrag von Clown »

Dann verwenden Chaosmagier Achetypen also nicht aus dem Glauben heraus, sondern aus "Faulheit" sich sonst selber Gedanken darüber zu machen? Ich finde die Chaosmagier sollten ruhig zugeben dass Sie an diese Archetypen glauben denn ansonsten ist es ein Hauffen aus Heuchlern wenn ich ehrlich bin. Vielleicht bin ich da zu ehrlich, aber in meinen Augen sieht es so aus. Warum sollte jemand Archetypen verwenden obwohl er nicht an sie glaubt?
Klingt für mich wie ein Dieb der dann im Nachhinein seinen "Made by me"-Stempel auf den Erfolg klebt. Mit so einer Lebenslüge könnte ich mich persönlich nicht in der Öffentlichkeit blicken lassen. :(
Lord_Diabolus

Re: Chaosmagische Bannungen

Beitrag von Lord_Diabolus »

Dann verwenden Chaosmagier Achetypen also nicht aus dem Glauben heraus, sondern aus "Faulheit" sich sonst selber Gedanken darüber zu machen?
Nein, ein Chaosmagier muss beispielsweise keine Hinduist sein, um hinduistische Rituale zu praktizieren - er weiß, dass die Elemente dieser (in unserem Beispiel) hinduistischen Tradition für ihn ansprechend sind und er einen starken Bezug dazu aufbauen kann.
Er ist somit nicht an den hinduistischen GLAUBEN gebunden, er kann aber jederzeit hinduistisch angehauchte Symbolismen in seinen Ritualen verwenden, ob jetzt Archetypus oder zeremonielle Abläufe/Elemente/whatever.
Das erspart ihm nicht die Auseinandersetzung mit dieser kulturellen Richtung, aber er ist eben nicht daran gebunden.

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Re: Chaosmagische Bannungen

Beitrag von Clown »

Lord_Diabolus hat geschrieben:
Dann verwenden Chaosmagier Achetypen also nicht aus dem Glauben heraus, sondern aus "Faulheit" sich sonst selber Gedanken darüber zu machen?
Nein, ein Chaosmagier muss beispielsweise keine Hinduist sein, um hinduistische Rituale zu praktizieren - er weiß, dass die Elemente dieser (in unserem Beispiel) hinduistischen Tradition für ihn ansprechend sind und er einen starken Bezug dazu aufbauen kann.

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Achso :lala: *hüstel* ...ich mache da ja auch nichts Anderes :lala:
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Re: Chaosmagische Bannungen

Beitrag von evoi »

Diabolus hat es auf den Punkt gebracht.
Es gibt Tage da bin ich nicht in der Stimmung angehimmelt zu werden.
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Re: Chaosmagische Bannungen

Beitrag von evoi »

exakt .. die Chosmagie hat durchaus Grundlagen.. die hab ich irgendwo gepostet..
Es gibt Tage da bin ich nicht in der Stimmung angehimmelt zu werden.
Lord_Diabolus

Re: Chaosmagische Bannungen

Beitrag von Lord_Diabolus »

Achso :lala: *hüstel* ...ich mache da ja auch nichts Anderes :lala:
Ich weiß, Du und Evoi habt da ein wenig ungünstig aneinander vorbei geredet *grins*
Das Dogma der Chaosmagie könnte also "keine Dogmen" lauten. Richtig?
Ich finde, dass selbst die Freiheit von Dogmen irgendwann zum Dogma wird - was fehlt, ist die Flexibilität des eigenen Standpunktes.

Damit meine ich nicht, dass der Standpunkt aufzugeben ist, sondern dass auf gewisse Thematiken auch andere Betrachtungen miteinbezogen werden sollten, um anschließend einen Standpunkt festzulegen.

Wichtig ist das erweiterte Blickfeld, die Möglichkeit, die eigene Meinung aufzugeben, die Dinge erneut zu betrachten und anschließend die Meinung zu festigen oder sie weiterzuentwickeln.

Und bei der krampfhaften Flucht vor Dogmen wird auch die Flucht zum Dogma.
In gewissen Dingen sind wir verhaftet, aber wir sollten auch dazu stehen - das ist meiner Ansicht nach mehr Freiheit, als die ständige Flucht vor Dogmen, die selbst zum Dogma wird. ;)

Selbstverständlich hat auch die Chaosmagie, wie Evoi bereits gesagt hat, gewisse Grundlagen - allerdings sind diese Grundlagen niemals verpflichtend, denn welchen Sinn würde es haben, das Chaos zwanghaft in eine Form zu pressen?

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Re: Chaosmagische Bannungen

Beitrag von Shaddai »

Ich möchte auch mal etwas zitieren. :D
Lord_Diabolus hat geschrieben: Ich finde, dass selbst die Freiheit von Dogmen irgendwann zum Dogma wird - was fehlt, ist die Flexibilität des eigenen Standpunktes.
Sehr schön gesagt!
:chaos:
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Re: Chaosmagische Bannungen

Beitrag von gabor »

Flexibilität des eigenen Standpunkts....klingt ja sehr bedeutend,ist aber Quatsch!Dann schreib doch lieber:"Ich habe keinen Standpunkt!"
Standpunkt,und Flexibilität....schliessen einander aus!
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Woher soll ich wissen, ob die Vergangenheit keine Fiktion ist, die nur erfunden wurde, um den Zwiespalt zwischen meinen augenblicklichen Sinneswahrnehmungen und meiner Geistesverfassung zu erklären?
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Re: Chaosmagische Bannungen

Beitrag von Alveradis »

Clown hat geschrieben:
evoi hat geschrieben: Jedoch kann ein Chaosmagier durchaus Erzengel verwenden, ohne an das hermetische System zu glauben. Das was ihn zum Chaosmagier macht ist dann, dass er während des Rituals so tut (davon überzeugt ist), dass es funktioniert. Kaum ist er fertig glaubt er nicht mehr daran.

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evoi
Das klingt für mich wie das Anheften eines imaginären Geschwülstes an die Eier nur um sich nachher zu freuen dass es gar nicht da ist :D :peace:

In Afrika gibt es einen Spinnengott, oder Dämon, oder wie auch immer. Sein Name ist Anansi und mit den Sklaven kam er nach Nordamerika und in die Karibik.
Vielleicht kennst du den Guten, seine Domänen sind Listigkeit, Rätsel, Geschichtenerzählerei und diese stichelnde Freude, die man dabei empfindet, jemanden übers Ohr zu hauen.
Über Anansi gibt es eine ganze Menge Geschichten.

Eine von ihnen erzählt, wie Anansi eines Tages den Tiger trifft. Anansi bewundert den Tiger, denn er hat recht ausgeprägte Hoden, um es mal vorsichtig auszudrücken. Und wie Anansi so bewundert auf des Tigers beste Teile starrt, spricht dieser ihn an:
"Sag mal, Anansi, wo du da so meine Eier anstarrst, denke ich, bei dir würde ihnen sicher nichts passieren, dafür findest du sie zu toll." Anansi nickt nur. "Würdest du vielleicht drauf aufpassen, während ich baden gehe? Ich möchte nicht, dass sie nass werden." Anansi willigt also ein, die beiden tauschen Eier und sobald der Tiger im Wasser ist und nicht mehr auf ihn achtet, kann Anansi sich nicht beherrschen und versteckt die Eier hinter einem Busch.

Da Tiger angeblich recht ungehalten reagieren, wenn man ihre Hoden klaut, schaut Anansi sich um und sieht recht schnell eine Gruppe Affen, die kichernd und gackernd an dem Wasserloch vorbeilaufen und sich über die neusten Trends auslassen, wer mit wem und was überhaupt das coolste ist.
Anansi ruft ihnen zu: "Hey Affen! Wie ihr euch da so über die neusten Moden und Musikströmungen auslasst, würde ich euch ja wahnsinnig gerne von dem Lied erzählt, dass die Giraffe vor Kurzem erfunden hat. Es ist echt der letzte Schrei, aber die Giraffe bat mich, es geheim zu halten. Es soll eine Überraschung werden."
Die Affen blieben augenblicklich stehen und umringten kreischend Anansi, beknieten ihn, ihnen doch das Lied zumindest *vorzusingen*.
Naja, irgendwann lies sich Anansi mit vielen guten Worten und einigen "Freundschaftsgaben" dazu überreden, den Affen dieses Lied nicht nur zu zeigen, sondern auch noch beizubringen.

Und das Lied ging so:

"Die Spinne hat nicht aufgepasst,
da haben wir den Sack gefasst,
Der Tiger läuft jetzt ohne Ei,
und ich der Affe, hab nun zwei!"


Anansi grinste in sich hinein, als die Affen, das Lied laut gröhlend, gen der nächsten Stadt abzogen und versteckte die hübsche Perlenkette, die er von ihnen bekommen hatte, im Busch bei den Tigereiern.
Als der Tiger aus dem Wasser kam, hatte Anansi schon wieder eine Miene tiefsten Bedauerns und Schams aufgesetzt. Er berichtete dem Tiger, wie die Affen ihn mit seiner Zahl überwältigt, und ihm die wertvollen Tigereier gestohlen hatten.
Da Anansi als Trickser bekannt war, glaubt der Tiger ihm nicht und knurrte ihn an. Er werde ihn fressen, wenn er nicht sofort seine Hoden zurückbekäme-
doch bevor der Tiger Anansi weiter drohen konnte, hörte der Tiger ein paar singende Affenstimmen zu ihm herüberwehen.
"Der Tiger hat nur noch ein Ei / und ich der Affe habe zwei."

Da sah der Tiger rot und jagte den Affen hinterher. Aber Affen sind ja auch nicht unbedingt die drögsten Tiere der Welt und so begriffen sie recht schnell, dass der Tiger sich ihnen nicht un freundschaftlichen Absichten näherte und flüchteten über de Bäume der Umgebung.
So ging das bestimmt den ganzen Tag.

Anansi winkte dem Tiger noch freundlich hinterher, wandte sich dann grinsend ab und packte sich Perlenkette und Klöten.

Als dem Tiger die Affen entgültig entwischt waren, schnappte er nach Luft. Dabei fiel sein Blick auf die kleinen, vertrockneten Spinneklöten, die noch zwischen seinen Beinen hingen.
Naja, besser als nichts, dachte sich der Tiger und bekam so ein schlechtes Gewissen, da er sich dachte, Anansi wäre ja nun ganz ohne Eier, dass er es fortan vermied, Anansi unter die Augen zu treten, und nur noch Gutes über ihn verlauten lies.

Auch heute ist es noch so, dass Anansi, wenn er mal eine schlechte Phase hat, einfach die riesen Eier betrachtet, die an der kleinen Spinne noch mal imposanter aussehen und sich an vergangene Erfolge erinnert und daran, dass bis jetzt noch auf jede Flaute ein neuer Erfolg folgte.
Und der große, starke Tiger... naja.


(Alveradis frei nach einem afrikanischen Märchen)


So viel zum Thema imaginäre Geschwülste an Eiern ;P
- Harmony, like a following breeze // at sea, is the exception." (Harvey Oxenhorn, Turning the rig)
- Der beste Ort, das Kriegsbeil zu begraben ist in deinem Gegner!"

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Re: Chaosmagische Bannungen

Beitrag von Lord_Diabolus »

Flexibilität des eigenen Standpunkts....klingt ja sehr bedeutend,ist aber Quatsch!Dann schreib doch lieber:"Ich habe keinen Standpunkt!"
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Nein, dem ist nicht so.

Ich sprach nicht von der Unsicherheit eines Standpunktes, sondern von seiner Flexibilität, dass er sich auch noch aus unterschiedlichen Betrachtungspunkten heraus als für den Magier richtig erweist.

Wenn Du die Dinge starr aus einem Winkel betrachtest, ist Dein Standpunkt natürlich gefestigt, allerdings ist er dann zu sehr verhaftet.

Wenn Du die Dinge aus verschiedenen Winkeln zu betrachten lernst, kann Dein Standpunkt noch immer der gleiche sein, ebenso gefestigt, allerdings klammert er sich nicht zwanghaft an eine einzige Sichtweise, die zum Dogma wird.

Und solltest Du bei der Betrachtung einer Situation oder eines Sachverhalts neue Erkenntnisse dadurch gewinnen, dass Du einfach Deine Sicht änderst, so kannst Du Deinen Standpunkt erweitern oder gewisse Dinge daran verändern.
Er ist dann nicht mehr unbedingt der gleiche, wie zuvor, aber er ist gefestigt und hat seine Berechtigung durch seine Flexibilität.

Weißt Du, was ich meine?

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Re: Chaosmagische Bannungen

Beitrag von gabor »

Ich neige eigentlich immer dazu, verschiedene Sichtweisen auszuprobieren,deswegen ist mein Standpunkt aber noch immer der Selbe.Irgendwo muss man doch eine Basis haben...Sichtweisen zu ändern,heisst ja nicht die Basis aufzugeben,oder?
Horizonterweiterung....immer gut,aber wenn ich keinen festen Punkt habe,von dem aus ich den Horizont betrachten kann....ist das ein Blindflug!Da kann ich ja gleich die Glaubensrichtung ändern,nur weil jemand sagt:"DAS IST DIE WAHRHEIT!"
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Re: Chaosmagische Bannungen

Beitrag von RoSa »

gabor hat geschrieben:Da kann ich ja gleich die Glaubensrichtung ändern,nur weil jemand sagt:"DAS IST DIE WAHRHEIT!"
Freundschaft!
Interessante Aussage, klingt so oft gehört ......

Des Weitern, eine Erweiterung könnte durchaus die Basis verändern, bzw. erweitern. Aber ich denke, es sollte keine Gerangel um des Kaisers Bart werden, oder?!
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Re: Chaosmagische Bannungen

Beitrag von Clown »

@Alveradis.
Schöne Geschichte. In der Hinsicht bin ich wie der Tiger, froh mit dem was ich habe :peace: ...

Zu Standpunkt und Flexibilität betrachte man einfach nur mal 2 verschiedene Baumarten. Während die Fichte von einem Sturm entwurzelt wird oder bricht, wiegt sich die Weide flexibel mit dem Wind und/aber beide wahren ihren Standpunkt.
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Re: Chaosmagische Bannungen

Beitrag von gabor »

Ein Gleichniss!!!!
Aber ich hab schon schlechtere gelesen!
Hut ab!!!
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