Roman "Café Meyrink" Leseprobe

Gebrauchte Bücher aus dem magischen Bereich und allerlei Trödel

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Tyger
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Roman "Café Meyrink" Leseprobe

Beitrag von Tyger »

Und hier kommt mal wieder ein ganz dezenter Hinweis auf ein Buch von mir, das nicht ganz frei von magischen Gedanken ist: Café Meyrink.
https://shop.edition-sx.de/cafe-meyrink/
Und das natürlich mit ein paar Textschnipseln zum Hineinschnuppern:

Der Mann kratzte sich am Kopf und war eindeutig überfordert mit der Situation.
„Es ist ja nicht so, dass das verboten wäre“, sagte er. „Man darf da nicht aufmachen und hinuntersteigen, weil es gefährlich ist.“
„Keine Sorge, das ist mein Job, ich arbeite in der Kanalisation!“
„Nun ja, es ist ja nur wegen der Krokodile.“
„Krokodile?“
„Nun, die Kanalisationskrokodile, die es in jeder größeren Stadt gibt, die sind hier sehr aktiv und auch sehr gefräßig, wie man sagt.“
Nein, erklärte Maurits innerlich, das sind Dinosaurier, die Autos fressen oder umgekehrt. Vielleicht sind es auch die Kaninchen aus dem Park. Krokoninchen.
Laut sagte er: „Das hat alles seine Ordnung. Ich bin Kanalisationsranger und muss eine Krokodilzählung vornehmen.“
„Samstag nacht?“
„Natürlich, wann sonst? In der Woche sind die Krokodile doch auf Arbeit.“
„Ach so, natürlich“, sagte der Mann erleichtert.
...
„War Ihnen denn nicht klar, dass das verboten ist?“ fragte der, der ihn beobachtete.
„Doch, schon, aber ich hatte schlechte Laune und eine Spitzhacke.“
„Sie tragen auch Arbeitskleidung und einen Bauhelm.“
„Ich fand, das gehört dazu.“
„Auf Ihrer Arbeitskleidung steht der Name einer Firma. Arbeiten Sie da?“
Er hatte sich den Spaß geleistet und 'Pent AG Ramm- und Abrissarbeiten' darauf drucken lassen.
„Ja, die Firma ist hier zuständig.“
Die Polizisten ließen ihn in ein Alkoholmessgerät pusten und nahmen auch, langsam buchstabierend, den Namen der Firma auf, ohne im Geringsten stutzig zu werden: „Pent AG Ramm- und Abrissarbeiten.“
Maurits hatte Mühe, ernst zu bleiben. Nach einiger Zeit bekam er seinen gefälschten Ausweis anstandslos zurück und der Büropolizist erzählte ihm etwas von einer Anzeige wegen Sachbeschädigung und Ruhestörung und dass er Post bekommen würde.
Als die beiden daran gingen, wieder in ihr Auto zu steigen, rief Maurits: „Was denn, wollen Sie mich nicht verhaften?“
...
Der Flyer war von dem Autokino, das für heute einen Pornofilm ankündigte, in dem es um Sex zwischen Autos und Möbelstücken ging.
„Du stehst doch auf so was, Maurits“, sagte sie und drückte ihm den auseinandergefalteten Flyer in die Hand.
Schnell waren sie sich einig, dass das wirklich eine gute Idee war, nur Etheria erklärte, nach Hause zu müssen, weil sie noch ihre sonntägliche Engelsarbeit zu verrichten habe.
Auf dem Weg zum Kino fragte Maurits: „Nehmen wir uns die Church of Oz für das nächste Wochenende vor?“
„Musst du nächstes Wochenende nicht arbeiten?“ fragte Max zurück.
„Wieso das?“
„Am Samstag ist der fünfte Advent und am Sonntag der sechste.“
„Ach so, natürlich.“ Maurits war selbst erstaunt darüber, wie selbstverständlich er solche Dinge inzwischen hinnahm.
In der Einfahrt zum Autokino standen fünf Leute in Dinosaurierkostümen, von denen eins immer schlechter als das andere war, und versperrten ihnen den Weg.
...
Zusammen mit Napoleon hatte er noch einige Expeditionen unternommen, durch verlassene feuchte Gänge und Räume unter der Erde. Sie hatten drei Skelette von Krokodilen gefunden, eins davon auf dem Fahrersitz eines zerstörten und verrosteten Luxusautos. Vielleicht war es mit seinem Auto da unten verunglückt.
Es war Mittwoch Abend und er machte sich auf den Weg zur Church of Oz. Noch zweimal hatte er sich in diesem Monat mit Max und Maya getroffen, sie waren im Autokino gewesen und in Jack's House, aber ihrem Vorhaben, die Church zu besuchen, war immer etwas dazwischengekommen. Sie kamen da immer nie hin, wie Maya es ausgedrückt hatte.
...
Als sie aus dem Aufzug traten, ertönte ein weiterer Glockenton und die Tür das daneben befindlichen Aufzugs öffnete sich ebenfalls. Darin stand ein großer Hund, ein Rottweiler, mit einer Sonnenbrille auf der Schnauze. Er trat heraus und auf sie zu, wobei die Krallen seiner Pfoten auf dem Boden klackten. Mit einer Kopfbewegung bedeutete er ihnen zu folgen und ging zielsicher in den Gang rechterhand. Wortlos ließen sie sich von ihm in einen kahlen Raum führen, in dem auf einem Tisch ein Kopierer und ein Drucker stand und in der hinteren Ecke ein Serverschrank vor sich hin brummte, flüsterte und blinkte. Auf einem anderen Tisch lagen Aktenordner und Papiere. Am Boden neben dem Tisch befand sich eine seltsame Tastatur mit nur wenigen großen Tasten. Der Raum war so abweisend und kaltweiß beleuchtet wie der Gang.
Der Hund drückte mit der rechten Vorderpfote auf eine der Tasten, worauf der Drucker anlief und eine Seite ausdruckte.
Napoleon nahm das bedruckte Blatt aus dem Drucker und las laut: „Weil ich ein Hund bin, kann ich nicht in Ihrer Sprache mit Ihnen reden und muss deshalb auf diese Art kommunizieren.“
...
Langsam trotteten die beiden Tiere durch den Zuckerwattetunnel und Rita sagte: „Ich kann überhaupt nicht reiten.“
„Ich auch nicht“, erwiderte Maurits.
Die beiden Einhörner bestätigten im Chor: „Das haben wir bemerkt.“
Am Ende des Tunnels kam der Eingang des Café Meyrink in Sicht, die altmodische dunkle Holztür mit den geschliffenen Fenstern und der goldenen Schrift darüber.
Rita sagte: „Man darf da nicht auf Einhörnern hinein reiten, die scheißen alles mit Marshmallows zu und pissen klebrige Limonade.“