*grml* Du bist mir zuvorgekommen, meine Rezi ist fast fertig
"Elfenlied" gehört zu einer meiner geschätzteren Anime-Reihen.
In meinen Augen kommen einige Aspekte in deiner Rezension nicht richtig zur Geltung.
Ich habe festgestellt, dass es zwei Typen Mensch gibt, die Elfenlied gut finden.
Die erste Hälfte sind meistens pubertäre bis postpubertäre Jungs, die sich an Gewalt und nackten (Kinder-)Brüsten aufgeilen.
Ich kannte Elfenlied nur vom Hörensagen von solchen Leute und habe daher einen großen Bogen drum gemacht

Die zweite Hälfte sind Menschen, die sich mit der Thematik der "Andersseins", Misantrophie und der Frage danach, ob es für einen selbst irgendwo einen Platz geben kann, an dem man willkommen ist, auseinandersetzen und identifieren und diese in "Elfenlied" wiederfinden.
Keiner der Figuren ist nur durch und durch böse oder eine Killermaschine. Die Diclonius- und Sipelitmädchen verfügen zwar über außergewöhnliche und gefährliche Kräfte, ihre Grausamkeit haben die meisten aber erst unter den schrecklichen Bedingungen in den Forschungslaboren entwickelt. Was soll dabei rauskommen, wenn man ein neugeborenes Mädchen in Stahlcontainer sperrt, ihr Sprengsätze implantiert und als einzigen sozialen Kontakt tägliche Gespräche mit über eine Sprechanalage zulässt?
Was wird aus einem Mädchen, dass zu "Forschungszwecken" nackt an eine Wand gekettet und mit ca. 100mm Kugeln beschossen wird?
Und was wird aus ihrer Schwester, die aus ihrer Qual keinen anderen Ausweg gesehen hat, als lammfromm zu werden und ihren behandelnden "Arzt" als Vater anzusehen?
Was bewegt einen Mann dazu, an einem solchen Projekt teilzunehmen?
Wie verhalten sich die verschiedenen Sipelit-Mädchen in "Freiheit"? Zu dieser Frage mag ich besonders die Szenen, in der die Mädchen mit scheinbar selbstverständlichen Dingen der Außenwelt konfrontiert werden. Lucy's Begeisterung über einen Elefanten im Zoo kennt keine Grenzen, Nyu putzt leidenschaftlich gerne das Haus und "repariert" irgendwelche Dinge und Nana scheint noch nie etwas tolleres als Reisbällchen gegessen zu haben.
Ich finde, vor allem, die Charaktere sind sehr schön und verhältnismäßig tief dargestellt. Jeder der Handelnden hat seine Gründe und wird beleuchtet. Es werden nur sehr begrenzt Sympatieträger geschaffen (Ok, wer würde Nana nicht lieben

) und sogar "Psychopathen" wie Bandoh werden teilweise positiv charakterisiert.
Für die Liebhaber von Schnulz und Dramatik gibt es einige tolle Szenen, ebenso für Komikliebhaber, das rundet das Gespalttere ab.
Einige Kritikpunkte habe ich trotzdem: Die Story ist teilweise unlogisch und nicht durchgängig. Das Ende ist dumm und man merkt, dass der Anime vor dem Manga abgeschlossen wurde.
Manche der Szenen und Umstände sind unrealistisch (Macht ein Mädchen, dem alle 4 Gliedmaßen abgerissen wurden und das nun mit Vektoren-Kunstgliedmaßen leben muss wirklich einfach so weiter wie bisher? Ist das nicht ein einschneidende(re)s Erlebnis?) und manche Szenen scheinen nur auf Splatter und nackte Haut ausgelegt.
Das ist an sich nichts verkehrtes, aber es macht ein bisschen die Handlung kaputt.
(Und reagiert jemand, der ohne Probleme Schwester und Vater einer geliebten Person aus einer Nichtigkeit tötete wirklich so entspannt auf eine Nebenbuhlerin?!) und / oder schlecht ausgearbeitet (die Dreieckskonstellation zwischen Yuka, Kohta und Nyu/Lucy)
Fazit: Man hätte einige Dinge besser machen können / sollen, aber dafür, dass egtl keine neuen Themen aufgegriffen wurden, ist ein sehr guter Anime entstanden.
Aber, wie so oft: Der Manga ist besser

;);)