Leonie Rysanek - Monstre Sacré
Verfasst: 11. Feb 2010 07:54
Leonie Rysanek
14. November 1926 - 7. März 1998
Die Wienerin Leonie Rysanek studierte Klassischen Gesang an der Wiener Akademie bei Kammersänger Alfred Jerger; später erhielt sie Gesangsunterricht von Bariton Rudolf Grossmann, ihrem ersten Ehepartner.
Im Alter von 22 Jahren debütierte Rysanek 1949 in Innsbruck als Agathe im Freischütz ( Carl Maria von Weber ) und nahm 1950 ein zweijähriges Engagement an der Staatsoper Saarbrücken an.
G. PUCCINI: Turandot - In questa reggia
http://www.youtube.com/watch?v=O4gK9LBG-g4
1951 gelang Rysanek bei der Wiedereröffnung der Bayreuther Festspiele ein spektakulärer Durchbruch als Wagner-Interpretin und die Sängerin als DIE !!! SIEGLINDE in "Die Walküre" über Nacht berühmt. Trotz Rysaneks triumphalen Erfolges engagierte Bayreuth die Sängerin erst 1958 wieder.
CURSING-UP A STORM ~ The Demon curses the Angel
Ortrude von Telramund VS. Elsa von Brabant
R. WAGNER: Lohengrin – Ortrudes Anrufung der Heidnischen Götter
http://www.youtube.com/watch?v=E9EYOTNesNE
1955-91 war Rysanek an der Wiener Staatsoper und 1959-96 zusätzlich an der Metropolitan Opera in New York engagiert, sowie bei vielen Gastspielen in München, London oder San Francisco.
Ein Auftritt machte sie 1959 endgültig zum internationalen Opernstar. Rysanek sprang für Maria Callas an der "Met" in New York als "Lady Macbeth" ein und feierte einen sensationellen Erfolg.
G.VERDI. La forza del destino – Pace, Pace
http://www.youtube.com/watch?v=kMLxc9urgE8
Ein Dramatischer Sopran an der Schwelle zum Hochdramatischen Sopran ….
Der Sopran der Rysanek war von gigantischem Volumen und enormer Durchschlagskraft. Die Tief und Mittellage waren weniger robust ausgebildet, wie bei anderen Kolleginnen, dafür beeindruckt die Stimme der Rysanek dort, wo den meisten Hochdramatischen die Luft ausgeht – in der Höhe. In unglaublicher Pracht entfalten sich die Höhenlagen; je höher die Rysanek singt, desto lauter und intensiver wird der Klang.
G.VERDI: Un Ballo in Maschera – Ma dall'arido stelo divulsa
http://www.youtube.com/watch?v=BYBtl5XDQZo
Zwar ist die Rysanek als Wagnerinterpretin von hohem Range geliebt, jedoch ist ihr eigentliches Fach das der ITALIENISCHEN SÄNGERIN, wie man es damals bezeichnete. Die Partien von Verdi, Puccini, Giordano, …. sind die Heimat dieser Stimme und als AIDA, MASKENBALL-AMELIA, TOSCA, in der grausam-exponierten TURANDOT, als SANTUZZA und in der abartigen Stimmkillerpartie von Verdis ABIGAILLE feierte sie größte Erfolge.
In der Stimmkillerpartie von Luigi Cherubinis MEDEA bewies Rysanek absolute Stimmbeherrschung und größte darstellerische Leistung. Ein echter Spinto Sopran, im Falle der Rysanek: ein JUGENDLICH-HOCHDRAMATISCHER SOPRAN.
Sie hielt sich an den Rat des Dirigenten Karl Böhm, niemals Brünnhilde oder Isolde zu singen, um ihre enorme Höhe nicht zu gefährden. Auf Disk ist ihr Liebestod der Isolde zu hören; ein stählerner Sopran, dessen Dramatik und Verve heute wenige Sängerinnen erreichen.
RICHARD WAGNER: Tristan und Isolde – Isoldes Liebestod
http://www.youtube.com/watch?v=wld3diOwvUg
„Einmal kann ich die Elektra singen !“ sagte die Rysanek und tat dies. Aufgrund ihrer enormen Höhe und dramatischer Durschlagskraft als Strauß-Sopran gefeiert ist ihre Elektra ein legendäres Stück Musikgeschichte geworden. Stimmlich wie durch ihre absolut geniale schauspielerische Leistung. Dämon sei Dank, ist diese Aufführung als Verfilmung aufgezeichnet.
Rysanek war ein Monstre Sacré von unglaublich intensiver Rollenidentifikation und Darstellungsgabe, sowie geradezu dämonischer Bühnenpräsenz.
RICHARD STRAUSS: Elektra: Was bluten muß? Dein eigenes Genick!
http://www.youtube.com/watch?v=bHlSZTImhkM
Unangefochten glänzt ihre Interpretation der Kaiserin in Strauß’s „Die Frau ohne Schatten“ und ihre geniale „Salome“.
Als Wagnerinterpretin schlechthin gestaltet Rysanek grandios Holländer-SENTA, SIEGLINDE, Lohengrin-ELSA, Tannhäuser-ELISABETH und die KUNDRY im Parsifal.
In den Jahren stimmlicher Reife sang sie eine der dämonischsten Ortrudes im Lohengrin und eine psychisch zerfressene Klytämnestra in Elektra.
1994 wurde bei Rysanek Knochenkrebs diagnostiziert, dem die Sängerin am 7. März 1998 erlag.
R. Wagner: Der fliegende Holländer – Sentas Ballade:
http://www.youtube.com/watch?v=lsOi8tnDUn8